Fallvignette

Cannabis und Strassenverkehr

Herr G. geriet in eine Polizeikontrolle, als er am Wochenende nach dem Ausgang auf dem Heimweg war. Man habe in einem Schnelltest Cannabis nachweisen können. Er hatte früher schon einmal Probleme mit der Polizei wegen Fahren unter Alkoholeinfluss. Als Aussendienstmitarbeiter ist er auf den Fahrausweis angewiesen. Er möchte von Ihnen wissen, wie die rechtliche Situation genau ist.

Grundsätzliche Bemerkungen

  • Die durch Cannabis hervorgerufenen Beeinträchtigungen der Wahrnehmung, der Psychomotorik, sowie der kognitiven und affektiven Funktionen ist nicht mit dem sicheren Führen eines Fahrzeugs im Strassenverkehr zu vereinbaren.
  • Vor allem in Stress-Situationen und in Phasen erhöhter Informationsdichte sind Verlängerungen der Reaktionszeit, Häufungen falscher, inadäquater Reaktionen und Störungen eingeschliffener Automatismen festzustellen, wobei dies vor allem auch bei schwierigen, nicht voraussehbaren Verkehrssituationen Bedeutung erlangt, wenn eine entsprechende "Leistungsreserve" gefordert wird.

Rechtspraxis

  • Gemäss des Strassenverkehrsgesetzes (SVG) ist das Führen von Fahrzeugen unter Cannabis-Einfluss verboten. Es gilt wie bei allen illegalen Suchtmitteln eine „Nulltoleranz“.
  • Die Beurteilung der Frage, ab welchem THC-Wert eine Beeinträchtigung der Fahrfähigkeit vorliegt, ist im Gegensatz zum Alkohol (0.5 Promille) schwierig zu beantworten.
  • Ab einem niedrig angesetzten Grenzwert von 1.5 mcg/l THC im Blut geht der Gesetzgeber von einer Fahrunfähigkeit aus. Dieser Wert hat nichts mit der effektiven THC-Wirkung zu tun.
  • Es ist zu beachten, dass auch bei geringeren THC-Werten die Fahrfähigkeit infolge Reduktion der Leistungsreserve relevant beeinflusst sein kann.
  • Gemäss aktueller Literatur kann man nach einmaligem Cannabiskonsum von einer Beeinträchtigung der Fahrfähigkeit von 4-5 Stunden ausgehen. Bei chronischem Konsum können noch 24 Stunden nach dem letzten Konsum zu hohe THC-Blutwerte ermittelt werden.
  • Nach einem Ereignis "Fahren unter Drogeneinfluss" (FuD-Ereignis) sieht der Lenker sich mit zwei Verfahren konfrontiert, nämlich einem Strafverfahren (Busse bis Haft oder Massnahme), sowie einem Administrativverfahren (Strassenverkehrsamt).
  • Bei einer erstmaligen Widerhandlung mit Fahren unter Cannabiseinfluss folgt ein Führerausweis-Entzug von drei Monaten. Im Wiederholungsfall innerhalb von fünf Jahren beträgt die Mindestentzugsdauer ein Jahr.
  • Für die Wiedererlangung des Führerausweises gelten die kantonalen Richtlinien. Es können ein verkehrsmedizinisches - und allenfalls zusätzlich verkehrspsychologisches - Gutachten sowie regelmässige Urin- und Haaranalysen verlangt werden, welche eine umfassende Drogenabstinenz belegen müssen.
  • Zusätzlich werden in vielen Kantonen regelmässige Gespräche bei einer Fachperson für Suchtmittelprobleme verlangt bzw. empfohlen.
  • Weitere Infos zu Suchtmittel und Strassenverkehr finden Sie auch auf der Seite von Infoset.

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