Factsheet für Patienten zu Medical Cannabis

Ihr Arzt will Sie mit diesem Merkblatt informieren. Sie erfahren hier,

  • wie vorgegangen werden muss, damit Ihr Arzt eine Behandlung mit Medical Cannabis durchführen kann,
  • ob die Behandlung von der Krankenkasse bezahlt wird,
  • welche Nebenwirkungen auftreten können und
  • wie man sich die Wirkung von Cannabispräparaten erklärt, siehe dazu auch den Video von Fundación Canna

Bewilligungsverfahren

  • Ihr Arzt muss beim Bundesamt für Gesundheit eine auf Ihre Person und Ihr gesundheitliches Problem abgestimmte Bewilligung einholen. Nach 12 Monaten muss er dem BAG über den Verlauf berichten, um eine Bewilligung für die Weiterführung der Therapie zu erhalten. Sie müssen das Gesuch unterschreiben und bestätigen damit, dass Sie über die Behandlung von Cannabis einverstanden sind und dass Sie über Wirkungen und Nebenwirkungen gut aufgeklärt wurden. Eine Behandlung mit Medical Cannabis kommt grundsätzlich nur in Frage, wenn andere Therapiemöglichkeiten versagt haben.

Kostenübernahme für die Medical Cannabis-Präparate

  • Auch wenn eine Bewilligung durch das BAG vorliegt, wird Ihre Krankenkasse für Grundversicherte die Kosten sehr wahrscheinlich NICHT übernehmen. Es wird empfohlen, dass Ihr Arzt beim Vertrauensarzt Ihrer Krankenkasse einen Antrag auf Kostenübernahme stellt. Dies sollte auch gemacht werden, wenn Sie eine Zusatzversicherung haben. Ihr Arzt kann die Tageskosten abschätzen, die beträchtlich sein können.

Mögliche Nebenwirkungen

(v.a. zu Beginn der Behandlung, meist vorübergehend; meist genügt dann eine Dosisreduktion)

  • Benommenheit, Schwindel, Mundtrockenheit, Übelkeit, Kopfweh, Herzrasen, Zunahme des Appetits, gesteigerte Sinnesempfindungen, verschwommenes Sehen, reduzierter oder erhöhter Antrieb, Einschränkung der Fahrtüchtigkeit.
  • Das Risiko einer Cannabis-Suchtentwicklung ist bei medizinisch begründeter und unter Anleitung durchgeführten Anwendung vernachlässigbar.
  • Während einer Schwangerschaft und während der Stillzeit darf Medical Cannabis nicht verwendet werden.
  • Die Behandlung mit Medical Cannabis kann dazu führen, dass der erlaubte Blut-Grenzwert für THC im Strassenverkehr (1.5 Mikrogramm THC pro Liter Blut) oder im Urin (positiver Schnelltest) überschritten wird. In diesem Fall gilt die Person als fahruntüchtig.

Die Cannabispflanze (Cannabis sativa) 

  • Cannabis enthält etwa 500 Inhaltstoffe, darunter mehr als 100 sogenannte Phytocannabinoide. Dazu gehören das berauschende THC (Tetrahydrocannabinol) und das nicht berauschende CBD (Cannabidiol), die am besten erforscht sind. 
  • Die mengenmässigen Anteile von THC und CBD sind je nach gezüchteter Pflanzensorte (Chemotypen) verschieden. Offenbar spielt es für den Wirkeffekt eine Rolle, in welchem Konzentrationsverhältnis die Phytocannabinoide eingenommen werden (sog. Entourage-Effekt). So scheint es, dass CBD die psychischen Nebenwirkungen von THC abschwächen kann.
  • THC und CBD wirken, wie wahrscheinlich alle Phytocannabinoide, an bestimmten Stellen, sogenannten Rezeptoren, im menschlichen Körper.

Wo und wie wirkt Cannabis beim Menschen

  • Der Mensch besitzt ein angeborenes "Endocannabinoid-System".
  • Es besteht aus
    • körpereigenen Cannabinoiden (Endocannabinoide; Liganden, "Stecker"; bis jetzt bekannt sind Anandamid, 2-Arachidonoylglycerol, Noladinether und Virodhamin) und
    • Bindungsstellen (Cannabis-Rezeptoren; "Steckdosen"; bis jetzt bekannt sind CB1 und CB2):
      • Die CB1-Rezeptoren befinden sich vor allem im Hirn (Kleinhirn; Hirnregionen, welche die Bewegungen und Körperspannung beeinflussen).
      • Die CB2-Rezeptoren befinden sich vor allem auf Zellen des Immunsystem, das in der Infektions- und Tumorzell-Abwehr aktiv ist.
    • Wie alle Rezeptoren lassen sich auch diejenigen des Endocannabinoid-Systems durch Transmitter entweder anregen (agonistischer Effekt) oder blockieren (antagonistischer Effekt).
  • Über die funktionelle Bedeutung des Endocannabinoid-Systems ist bisher nur wenig bekannt. Die Verteilung der Rezeptoren deutet bereits eine Reihe möglicher Funktionen an:
    • die Hirnregionen, in denen der CB1-Rezeptor vorwiegend gefunden wird, spielt eine wichtige Rolle bei der Gedächtnis- sowie Bewegungsregulation. Es liegt die Vermutung nahe, dass Endocannabinoide daher Lern- und Bewegungsprozesse beeinflussen.
    • Es wird vermutet, dass der CB2-Rezeptor eine wichtige Rolle in der Regulation des Immunsystems spielt.
  • Das Vorkommen von Rezeptoren ermöglicht in der Medizin die Suche nach oder Entwicklung von gezielten Transmittern, um in gestörte Regulationsabläufe eingreifen zu können (bekanntes Beispiel Beta-Blocker bei raschem Puls oder Bluthochdruck). 
  • Zum jetzigen Zeitpunkt ist noch zu wenig bekannt, welche Mischung verschiedener Cannabisinhaltstoffe optimal wirkt. Bis indikationsspezifische Cannabis-Sorten vorliegen, müssen deshalb eventuell verschiedene Präparate ausprobiert werden.
  • Im Falle einer Anwendung von Sativex hier der Link zur spezifischen Patienteninformation über Sativex.

 

Impressum