Indikationen / Evidenz

  • Als sogenanntes "Cannabis-Dilemma" wird unter den Fachleuten der medizinischen Anwendung von Cannabinoiden der Umstand bezeichnet, dass einerseits aus der Erfahrungsmedizin ein breites therapeutisches Potential erwartet wird (aus theoretischen Überlegungen heraus und durch viele Einzelbeobachtungen an Patienten), die Resultate der evidenzbasierten, klinischen Forschung aber nur eine begrenzte oder widersprüchliche Wirksamkeit zeigen.
  • Quervergleiche von Studienresultaten sind auch schwierig zu interpretieren, weil sich die verwendeten Präparate bez. die Inhaltststoffe unterscheiden.
  • Eine gute Evidenz besteht bei der Behandlung der Spastik bei Multipler Sklerose. Für diese Indikation braucht Sativex® keine BAG Bewilligung, muss aber mit einem Betäubungsmittelrezept verordnet werden.
Indikation Evidenz Referenz

Spastik bei MS

Prospektive, randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte, crossover Studie, Cannabisextrakt

C. Vaney et al. multiple sclerosis 2004; 10(4): 417-24

 

Kompendiums-Text zur Indikation von Sativex®: mittelschwere bis schwere Spastik aufgrund von Multipler Sklerose (MS), die nicht angemessen auf eine andere antispastische Arzneimitteltherapie ange­sprochen haben und die eine klinisch erhebliche Verbesserung von mit der Spastik verbundenen Symptomen während eines Anfangstherapieversuchs aufzeigen.

Für alle anderen Präparate sowie für Sativex® mit anderer als der obigen Indikation braucht es eine BAG-Bewilligung.

Indikation Evidenz1 Referenz

Chronische Schmerzen Muskelkrämpfe

  • Viele Einzelfallberichte
  • Mässige Evidenz gemäss JAMA Metaanalyse (moderate-quality evidence)

Penny F. Whiting, Cannabinoids for Medical Use, a systematic review and meta-analysis JAMA. 2015;313(24):2456-2473

Übelkeit / Erbrechen bei Chemotherapie
  • Viele Einzelfallberichte
  • geringe Evidenz gemäss JAMA Metaanalyse (low-quality evidence)
Penny F. Whiting, Cannabinoids for Medical Use, a systematic review and meta-analysis JAMA. 2015;313(24):2456-2473
Inappetenz bei HIV-Infektion
  • Viele Einzelfallberichte
  • geringe Evidenz gemäss JAMA Metaanalyse (low-quality evidence)
Penny F. Whiting, Cannabinoids for Medical Use, a systematic review and meta-analysis JAMA. 2015;313(24):2456-2473
Schlafstörungen
  • Viele Einzelfallberichte
  • geringe Evidenz gemäss JAMA Metaanalyse (low-quality evidence)
Penny F. Whiting, Cannabinoids for Medical Use, a systematic review and meta-analysis JAMA. 2015;313(24):2456-2473
Tourette Syndrom
  • Viele Einzelfallberichte
  • geringe Evidenz gemäss JAMA Metaanalyse (low-quality evidence)
Penny F. Whiting, Cannabinoids for Medical Use, a systematic review and meta-analysis JAMA. 2015;313(24):2456-2473

 

1Am 23.6.2015 kommentierte das BAG in einer Stellungnahme zu der im JAMA veröffentlichten Studie: „Gute Belege bestehen für die Wirksamkeit von Cannabis bei der Behandlung von chronischen oder durch Krebs verursachten Schmerzen, sowie bei Muskelkrämpfen infolge Multipler Sklerose. Auch bei Übelkeit als Nebenwirkung einer Chemotherapie, bei Gewichtsverlust von Aidskranken, bei Schlafstörungen sowie dem Tourette Syndrom zeigten sich positive Auswirkungen. Die Studienergebnisse zeigen insgesamt ein vielversprechendes Heilmittelpotential".

 

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