Psychose und Cannabiskonsum

  • Es existieren noch keine abschliessende einheitliche und evidenzbasierte Forschungsergebnisse zu diesem Thema.
  • Die gesundheitlichen und psychischen Probleme sind in aller Regel von der THC-Dosis, der Konsumfrequenz, dem Konsummuster sowie dem biographischen Zeitpunkt des Konsumbeginns abhängig.
  • Allgemein ist die Kombination von biographisch frühem Beginn und hohem lifetime Konsum mit dadurch verschlechterter psychosozialer Entwicklung für die Prognose ungünstig.
  • Mit grosser Wahrscheinlichkeit ist ein unkontrollierter Mischkonsum verschiedener Drogen, Alkohol inbegriffen, gefährlicher als reiner Cannabiskonsum.
  • Mit folgenden Einteilungen kann jedoch in der Diskussion mit Betroffenen und Angehörigen aktuell gearbeitet werden:
    • Bei der Intoxikationspsychose kommt es nach stärkerer Substanzeinwirkung (mehrere Joints und/oder hoher THC-Gehalt) zu einer akut auftretenden kurzdauernden psychotischen Symptomatik, die unterschiedlich stark ausfallen kann und nach spätestens 2 Tagen abklingt. Gleichzeitiger gesteigerter Alkoholkonsum erhöht das geringe Risiko (etwa 1%-2% der Konsumenten).
    • Bei der so genannten Cannabispsychose hält die Symptomatik länger als 2 Tage bis zu mehreren Wochen an. Sie tritt bis maximal 2 Wochen nach einmaligem sehr hoch dosierten Konsum oder häufiger nach hoch dosiertem chronischen Konsum auf. Die Symptome erinnern an eine Schizophrenie.
    • Flashbacks; In Einzelfällen sind Nachhallpsychosen bei Cannabiskonsumenten beschrieben, die Wochen gegebenenfalls auch längere Zeit nach dem letzten Konsum auftreten können.
    • Bei schizophrenen Patienten finden wir einen 5-fach höheren THC Konsum als bei einer gleichaltrigen gesunden Gruppe. Aktuell geht man davon aus, dass, wenn man das Vulnerabilitäts-Stress-Konzept der Schizophrenie zugrundelegt, verstärkter Cannabiskonsum das Risiko für eine Erkrankung aus dem schizophrenen Formenkreis um das bis zu 6-fache erhöht.
    • Bei Psychose erfahrenen Patienten zeigen sich häufig deutliche Verschlechterungen der psychopathologischen Symptomatik, besonders in Bezug auf die produktiven Symptome. So kommt es vermehrt zu akuten psychotischen Phasen. Die Auswirkungen auf die so genannte Negativsymptomatik sind uneinheitlich.

 

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