Abhängigkeit von opioidhaltigen Schmerzmitteln

  • In der Praxis werden bei starken prolongierten Schmerzen bei ungenügender Wirksamkeit von nicht opioidhaltigen Schmerzmitteln Opioide wie Buprenorphin, Fentanyl, Hydromorphon, Morphin, Oxycodon, Tapentadol, Tilidin oder Tramadol in unterschiedlichen Dosierungsstärken und Applikationsformen verschrieben.
  • Bei einem Prozentsatz von 5-10% aller Patienten mit einer Opioidverschreibung aufgrund chronischer Schmerzen besteht ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung einer Opioidabhängigkeit. Der Anteil der tatsächlich Opioidabhängigen unter Patienten mit einer langfristigen Opioidverschreibung wird dabei auf 1-3% geschätzt.
  • Das entsprechende Risiko kann prospektiv mit diesem Tool eingeschätzt werden
  • Bei gefährdeten Patienten sollten Opioide mit einem verzögerten, langsam anflutenden Wirkungseintritt bevorzugt werden, da Opioide mit einer kurzen Halbwertzeit ein erhöhtes Suchtpotential aufzeigen.
  • Die Dosierungen sollten nur langsam gesteigert werden und eine maximale Dosis von 100mg-150mg Morphinäquivalenten nicht übersteigen.
  • Hinweise auf beginnende Abhängigkeit können sein:
    • Abnahme der schmerzstillenden Wirkung und Zunahme der Nebenwirkungen
    • Eigenständige, d. h. nicht verordnete Dosiserhöhung
    • Wunschäusserung nach kurzwirksamen Opioiden
    • Verlieren von Rezepten
    • Terminversäumnisse
    • Häufiger Ärztewechsel
  • Empfehlungen für Patienten mit einem Risiko für die Entwicklung einer Abhängigkeit:
    • Psychologische oder psychiatrische Abklärung/Unterstützung parallel zur Opioidbehandlung
    • Gemeinsames Monitoring bezüglich eventueller über die Schmerzlinderung hinausgehender Effekte (Stimmungsaufhellung, Euphorie, Entspannung), die einen problematischen Konsum begründen könnten
    • Begrenzte Verschreibungsmengen mit Kontrolle der verschriebenen Menge
    • Bevorzugte Verordnung von Rezepturen mit langwirksamen Opioiden
  • Entwickelt sich im Verlauf der Behandlung trotzdem eine Opioidabhängigkeit:
    • zunächst eine schrittweise Dosisreduktion/ein Ausschleichen der verschriebenen Opioide vorsehen
    • bei Bedarf verbunden mit der Implementation alternativer medikamentöser Behandlungsansätze (Antidepressiva, Moodstabilizer)
    • und einer begleitenden psychotherapeutischen Unterstützung (Schmerzmanagement nach dem biopsychosozialen Modell)
  • Bei erfolgloser schrittweiser Dosisreduktion:
    • Umstellung auf eine Substitutionsbehandlung mit einem langwirksamen vollen Opioidagonisten (Methadon, retardiertes orales Morphin)
    • oder mit einem partiellen Opioidagonisten (Buprenorphin), um den gewünschten Opioid-Abbau längerfristig anzugehen.

 

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